KATEGORIE / Madagaskar

Jahresbericht 2020

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Sars-CoV-19. Die Pandemie dieses unnützen, bedrohlichen und nicht einschätzbaren Virus hielt und hält die Welt in Atem, ließ sie für viele langsamer drehen und war nicht nur für Madagaskar eine einzige Katastrophe.

Madagaskar reagierte wie andere afrikanische Staaten rasch und stellte kurzfristig zum 20. März 2020 für zunächst vier Wochen komplett alle Flüge von und auf die Insel ein. Dies war zunächst ohne nachgewiesene Covid-19 Patienten eine nachvollziehbare Schutzreaktion. Allerdings verließen neben Touristen und ausländischen Arbeitern auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und deren Fachkräfte fluchtartig das Land. Der internationale Flughafen in Antananarivo ist bis heute gesperrt. Es gilt ein Einreiseverbot aus Covid-19 Risikogebieten nach Madagaskar. Es folgten dort zeitlich begrenzte Ausgangssperren, die Blockade des gesamten Transportsystems der Binnenflüge, Taxi und Busverkehrs sowie Maskenpflicht. Präsident Andry Rajoelina hatte es bis heute nicht eilig, Corona-Impfstoff für seine Bevölkerung anzuschaffen, sondern setzt stattdessen weiterhin auf ein angebliches Kräuter-Heilmittel aus Beifuß „Covid Organics“ gegen das Virus. An dessen Wirksamkeit bestehen erhebliche Zweifel, eine Heilkraft wurde wissenschaftlich nicht belegt. Jetzt im März 2021 sei er nicht komplett gegen Impfungen, doch befinde sich das Land noch „in einer Beobachtungsphase des Impfstoffs“, der derzeit noch zu viele Nebenwirkungen habe…

Eigentlich hatten Heike und ich vor, im Mai 2020 im Rahmen unserer fünften Madagaskarreise am Centre Medical neue Projekte zu besprechen und unsere Freundschaften zu vertiefen. Darauf war zunächst die Vereinstätigkeit fixiert. Deshalb haben wir Ausgaben zurückgestellt, um durch Spareffekte schlagkräftig neue Projekte realisieren zu können. Vorträge über unsere Tätigkeiten und das Land waren geplant. Alle diese Pläne mussten wir leider stornieren bzw. verschieben.

Centre Medical de Taolagnaro in Fort Dauphin:

Im Januar 2020 spendeten wir zwei Sauerstoffgeräte für das Centre Medical. Atemwegserkrankungen sind in Madagaskar sehr häufig und die Technik wird oft genutzt. Außerdem bat Dr. Jane um den Ersatz alter und nicht mehr nutzbarer Technik, um auf die Behandlung von Covid-19 Patienten besser vorbereitet zu sein.

Im März überwiesen wir spontan 10.000,- Euro Soforthilfe für die rasche und dringend notwendige Ausrüstung des Personals mit Hygienewäsche, Masken und Schutzausrüstungen.

Nicht nur über Facebook konnten wir die rasche Umsetzung der Pläne und die echte Begeisterung des Personals nachvollziehen.

Unser Dank geht an Frau K. Odebrett und ihre Mitarbeiter von Fürst & Partner, die uns die Steuererklärung des Vereins unentgeltlich anfertigten und somit wichtige Spendengelder sparten.

Trotz aller Widrigkeiten konnten wir mit Hilfe unglaublicher Unterstützung im Jahr 2020 Spendeneinnahmen von 22.592,29 Euro verbuchen, die uns nun für neue Projekte zur Verfügung stehen. Dafür sagen wir allen Helfern des „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ und den Vereinsmitgliedern herzlichen Dank.

Bitte helfen Sie auch weiterhin.

Aktuelle Infos, Spendenhinweise und Fotos unter:

www.melzer-madagaskar-projekt.de

Heike & Frank Melzer

Rippicha, im März 2021

Jahresbericht 2019

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Im Jahr 2019 beging unser kleiner Verein völlig unspektakulär nun schon seinen 10. Geburtstag. 2001 begann durch Dr. Klaus-Jürgen Melzer eine sehr ambitionierte und egagierte Hilfsaktion zur Verbesserung der medizinischen Versorgung für den Süden Madagaskars. Unser Engagement ist nicht geringer geworden. Aber inzwischen hat sich einiges verändert. Wir blicken zurück auf ein ereignisreiches Jahr 2019.

Die politische Stagnation mit Armut und Korruption in Madagaskar setzte sich auch nach den Präsidentschaftswahlen 2018 im Jahr 2019 fort. 70% der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum. Die Armut und die überall völlig unzureichende medizinische Versorgung sind im von Dürre geplagten Süden besonders schlimm. Krankheiten wie Pest und Masern treten jährlich erneut auf. Mit dem alten und neuen Staatschef Andry Rajoelina sind keine beachtenswerten Verbesserungen in Madagaskar zu bemerken.

Aufmerksamkeit bekam die Insel aber durch den kometenhaften sportlichen Aufstieg der Fußball-Nationalmannschaft „Barea“, die beim Afrika-Cup im Juli in Ägypten überraschend ins Viertelfinale einzog, und durch den Besuch von Papst Franziskus in Madagaskar im September 2019.

Centre Medical de Taolagnaro in Fort Dauphin:

Das Jahr begann mit einer Überraschung. Die freie Zeit einer beruflichen Neuausrichtung nach seiner Promotion nutzte unser Sohn Sebastian für einen längeren Aufenthalt am Centre Medical in Fort Dauphin. Dr. Jane schrieb in ihrer Analyse:

„Sebastian Melzer, Enkel des Gründers der Organisation Melzer-Madagaskar-Projekt, war vom 11. Januar bis 22. Februar 2019 vor Ort. Sebastian verfügt über einzigartige Fähigkeiten, ist nicht medizinisch, hat Erfahrung in der IT und interessiert sich für Systemanalysen.

Ziel seines Besuchs war es, unser Projekt näher kennenzulernen. Melzer-Madagaskar-Projekt hat erhebliche finanzielle Investitionen in das Zentrum getätigt, darunter das Solarenergieprojekt (20.000 €), der Kauf von Laborgeräten, der Kauf und die Installation des IT-Systems, der Bau der ersten Familientoiletten, die wir vor Ort gebaut haben, und der Kauf von medizinischen Kleinigkeiten im Jahr 2015 (5.000 €).

Diese Prüfung umfasste:

  • Überprüfung der Finanzbilanzen für den Zeitraum 2018.
  • Überprüfung des IT-Programms für das Lager- und Rechnungsstellungssystem.
  • Aktualisierung der Website (www.cmdt.mg)
  • Projektplanung und Strategieplanung für anstehende Projekte.

 

Dies ist das erste eingehende Audit, das ich von einem internationalen Investor erhalten habe. Ich habe die Erfahrung geschätzt, da sie mir die Möglichkeit gibt, unsere Systeme zu verbessern. Das Audit war freundlich, professionell, praktisch und äußerst hilfreich.“

Sicherlich ist es für beide Seiten von unschätzbarem Vorteil, wenn man ein Hilfsprojekt auf der Basis einer gegenseitigen Wertschätzung, absoluter Offenheit, Ehrlichkeit und mit dem absoluten Engagement um die Sache verbinden kann. Für die Qualifizierungspläne des Personals der Klinik gab der Verein im Jahr 2019 einen finanziellen Anschub von 1.000 €.

Pünktlich zu Weihnachten spendete die Dresdner Firma TraceTronic GmbH drei Laptops für das Centre Medical. Diese sind sehr gut angekommen und unterstützen ab sofort in Administration, Pharmacy und Labor.

Clinique St. Luc in Tuléar:

Aus der Klinik wurden die Informationen stetig rarer. In vereinzelten kurzen Emails informierte uns Dr. Rakotomavo, dass 2-3x pro Jahr australische und italienische Spezialisten an der Klinik operieren würden. Deshalb wurde ein zusätzlicher Operationssaal eröffnet. Damit entstand der Bedarf nach einer OP-Lampe, einer Klimaanlage, einem Narkosegerät, einem Elektrochirurgiegerät, einer Absaugeinrichtung und vielen Instrumenten. Bei 750 € Stromkosten pro Jahr drängt der Chef der Klinik nochmals auf eine Solaranlage. All das wurde bei unserem Besuch in Tuléar im Herbst 2018 nicht besprochen. Wir fühlten uns als Verein von den Wünschen und der Umsetzung überfordert und konnten die Nachhaltigkeit der Investitionen nicht garantieren. Wir mussten überrascht zur Kenntnis nehmen, dass die Klinikleitung sich von zwei wichtigen Mitarbeitern getrennt hatte.

Während unseres Aufenthaltes in Tuléar im Vorjahr bat uns der Chirurg Dr. Gaby Ramahefarivo, ob wir als Verein eine spezielle urologische Ausbildung in Deutschland für die endoskopischen urologischen Operationstechniken für ihn realisieren könnten. Dank seiner chirurgischen Erfahrung traue er sich zu, urologische Operationen im Süden Madagaskars durchzuführen. Nach eingehenden Prüfungen begannen wir mit der Planung. Dabei berücksichtigten wir als Verein mit der Verantwortung um Weiterbildung, Unterkunft, Sicherheit, Transport und Taschengeld für den Kollegen eine erhebliche finanzielle und personelle Belastung durch das Projekt. Zusätzlich gab es eine Vielzahl an weiteren zu lösenden Problemen. Obwohl die Geschäftsführerin Frau Uhlig und Chefarzt Scholz der Urologischen Klinik ges Asklepios Klinikums Weißenfels umfangreiche Unterstützung zusagten, war die Ausnahme-Genehmigung einer ärztlichen Tätigkeit durch das Landesverwaltungsamt zu beantragen. Allein die Notwendigkeit der Vorlage von Original-Dokumenten des Kollegen aus Madagaskar verursachte einen längeren Zeitverzug. Jetzt, sozusagen auf der Zielgeraden für eine vernünftige Zeitplanung, hat die Pandemie mit COVID-19 den Plan komplett durchkreuzt. Wir sehen eine realistische Umsetzung auch in naher Zukunft nicht. Aufgrund dieser Pläne hatten wir als Verein 2019 auch keine weiteren Investitionen getätigt.

Wir möchten allen, die auch 2019 unseren Verein Melzer-Madagaskar-Projekt e.V. unterstützt und sich damit für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung im Süden Madagaskars eingesetzt haben, für ihre Hilfe danken. 20.888,03 Euro Spendengelder im Jahre 2019 geben uns 2020 die Möglichkeit, weitere effektive Hilfsprojekte in Madagaskar zu realisieren.

Bitte helfen Sie auch weiterhin.

Aktuelle Infos, Spendenhinweise und Fotos unter:

www.melzer-madagaskar-projekt.de

Heike & Frank Melzer

Rippicha, im Mai 2020

Jahresbericht 2018

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Wir schauen zurück auf ein ereignisreiches Jahr 2018, sowohl für den Verein als auch für Madagaskar, und wir möchten unsere nunmehr schon 4. Reise reflektieren: An die Kliniken St. Luc in Tuléar, an das Centre Medical in Fort Dauphin und an das staatliche Gebietskrankenhaus in Farafangana.

Nach Jahren politischer Stagnation und Instabilität stand Madagaskar 2018 ganz im Zeichen der Präsidentschaftswahlen, die am 07.11.2018 und die Stichwahl am 19.12.2018 stattfanden. Im April 2018 hatten Demonstrationen gegn die Regierung zu Ausschreitungen geführt, bei denen mindestens 2 Menschen getötet wurden. Diese Krise wurde durch das Verfassungsgericht beendet und der Amtsinhaber Hery R. zum Rücktritt gezwungen. Unter den 46 Bewerbern waren auch 7 Frauen, unter den Kandidaten 4 ehemalige madagassische Präsidenten und 3 ehemalige Premierminister. Aus der Stichwahl zwischen den zu den Vermögendsten Madagaskars zählenden Ex-Präsidenten Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina, der seinen Kontrahenten 2009 aus dem Amt geputscht hatte, ging Letzterer mit 55.7% als Sieger hervor. Bedenken muss man, dass von den geschätzten 25 Millionen Madagassen ein Großteil der Wahlberechtigten Analphabeten sind und dass ca. 25% von ihnen keinen Personalausweis besitzen und somit die Wahl nicht ausüben durften. So waren nur 9.9 Millionen Madagassen für den Wahlkampf registriert. Sowohl bei der ersten als auch bei der Stichwahl lang die Wahlbeteiligung unter 5 Millionen. Der Wahlkampf kostete für madagassische Verhältnisse ein Vermögen. Eine Offenlegung der Kampagne und deren Geldquellen wurde nicht erreicht. Gesetze dazu oder Transparenz gab es nicht. So wurden u.a. im Oktober 2018 11 Hubschrauber aus Südafrika für den Wahlkampf und ein Stadion für 50.000 Menschen gemietet und diese mit Entertainment beworben, T-Shirts, Hüte, Nahrungsmittel und Geld direkt an die Leute verteilt usw… Während die Rivalität zwischen den beiden Kontrahenten seit Jahren die Politik Madagaskars bestimmte spielen die wahren Probleme Hunger, Armut und Korruption keine Rolle.

Clinique St. Luc in Tuléar:

An der Klinik werden wir, d.h. Christian Hönemann, unser Sohn Sebastian, Heike und ich, von Dr. Rakotomavo, seiner Familie und dem Personal sehr liebevoll empfangen. Unsere Vorahnungen bestätigen sich: Die Klinik stagniert. Der exzellente Ruf vergangener Jahre ist verflogen. Der Enthusiasmus des Personals ist Enttäuschung und Frust gewichen. Dringende organisatorische Verbesserungen sind nicht erfolgt. Das Personal klagt über fehlende Wertschätzung. Mit großer Freude registrieren wir, dass ein neuer Arzt eingestellt worden war. Für chirurgische Eingriffe wird noch immer ein Gastchirurg eines anderen Krankenhauses bestellt. So sieht auch der OP-Saal etwas in die Jahre gekommen aus. Die Apotheke der Klinik ist übersichtlich, erschreckend spärlich bestückt. Ambulanz und Krankenbaracken sind noch immer auf einem für Madagaskar außergewöhnlich hohen medizinischen Standard. Mehrfach im Jahr kommen OP-Teams aus Australien, um an der Klinik zu operieren.

Mit Stolz bekommen wir das neue Labormikroskop gezeigt, welches wir über action medeor im Mai 2018 für 1.425,- Euro gespendet hatten. Zusätzlich hatten wir zuvor für 1.100,- Euro Handschuhe, Blutdruckgeräte und Nahtmaterial geordert. Für die Klinik haben wir einen Laptop im Gepäck. In langen Gesprächen versuchen wir, die Probleme der Klinik zu verstehen. Jetzt wünscht sich Dr. Rakotomavo von uns eine Solaranlage, ein digitales Röntgen.. Wir vermissen den bescheidenen Charme der vergangenen Jahre.

Für die Grundschule in Motombe kaufen wir beim Schreinermeister wie schon Jahre zuvor für 1.200,- Euro Schulmöbel. Das Geld war von den Schülern und Lehrern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Zeitz im Rahmen eines langjährigen Projektunterrichts und zusätzlichen Engagements gesammelt worden.

Centre Medical de Taolagnaro in Fort Dauphin:

Dr. Jane Olivier erstaunt uns immer wieder. Mit unglaublicher Energie verbessert sie die Klinik bautechnisch, führt und leitet ihr Personal, umschifft geradezu atemberaubend stetig neue Hindernisse korrupter Beamter. So ist es kein Wunder, dass pünktlich vor unserer Ankunft die durch unseren Verein finanzierte Photovoltaikanlage mit Energiespeicher fertig gestellt wurde. Eine sorgfältige Planung, Beschaffung per Container über See- und Landweg, Transport aus Deutschland und Installation durch einen Schweizer Fachmann kann man nur wertschätzen.

Dr. Jane bezeichnet ihr Personal als „Mon Equipe Speciale“. 40 Mitarbeiter und 4 Ärzte bieten qualifizierte medizinische Hilfe. Wir können uns von der gegenseitigen Wertschätzung und dem Respekt zwischen Klinikleitung und Ihrem Personal persönlich überzeugen.

Centre Hospitalier de Reference Regionale Farafangana:

Auf unserer Reise entlang der Ostküste nach Norden kommen wir auch durch den Distrikt Farafangana mit ungefähr 200.000 Einwohnern. In der gleichnamigen Hauptstadt leben ca. 25.000 Menschen. Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns die staatliche Ambulanz und das regionale Krankenhaus an. Der Direktor Dr. Arthur Randrianaivo führt uns durch die Klinik. Der bauliche Zustand ist überraschend gut, sauber und gepflegt. Die Ausstattung ist entsetzlich schlecht, extrem überaltert und kaputt. In der Spezialambulanz für Sichelzellenanämie wird ebenso fleißig gearbeitet wie in den Krankenstationen.

Stolz wird uns das von einer 16-jährigen Patientin in der Nacht entbundene Baby gezeigt. Die Hochschwangere und ihre Angehörigen waren 60 km zu Fuß für die Risikoentbindung an die Klinik gelaufen.

Auch hier sind die Behandlung von Malaria, Durchfalls- und Atemwegserkrankungen die häufigsten Fälle. Wir bieten Unterstützung an und erfahren, dass der letzte Blutbild-Laborautomat kaputt und Ersatz nicht in Sicht ist. So kaufen wir spontan über einen Medizin- gerätehändler in der Hauptstadt Tana für 9.360,- Euro einen Laborautomaten und 2 Sauerstoffgeräte. Deren Einsatz an der Klinik wird uns später per Mail freundlich dankend von Dr. Randrianaivo bestätigt.

Dank großzügiger Unterstützung durch den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Burgenlandkreis Herrn Mario Kerner und durch den Vorstandsstab Herrn Jan Goldacker hatten wir die wunderbare Möglichkeit, unser Projekt im Rahmen einer eigenen Ausstellung in den Geschäftsräumen der Sparkasse Burgenlandkreis in Zeitz zu präsentieren. So stellten wir 56 großformatige eigene Fotos und in 2 Vitrinen Werkzeuge, Handwerkserzeugnisse und Kunst des Landes aus. Nicht nur die Ausstellungseröffnung war sehr gut besucht. Auch danach bekamen wir sehr begeisterte Rückmeldungen. Zugunsten des Vereins wurden Bilder verkauft.

Am Jahresanfang wurde die Internetpräsenz des Vereins inhaltlich überarbeitet, die Präsentation modernisiert.

Inzwischen haben wir nun auch sehr gelungene Visitenkarten für unseren Verein. Danke hier für die Kompetenz des Druckhauses Blockwitz in Zeitz. Diese Kärtchen sind dazu gedacht, die Idee, unseren Verein zu unterstützen, und die dazugehörige Kontonummer, auch zu Hause nicht vergessen zu haben.

Wir möchten allen, die auch 2018 unseren Verein Melzer-Madagaskar-Projekt e.V. und damit die Mitarbeiter und Patienten der Clinique St. Luc in Tuléar und des Centre Medical de Taolagnaro in Fort Dauphin tatkräftig unterstützen, für ihre Hilfe danken. 25.580,94 Euro Spendengelder im Jahr 2018 ist ein neuer Rekord seit der Gründung des Vereins 2011. Durch 511 Spender wurden wir innerhalb eines Jahres so zahlreich wie noch nie unterstützt.

Erneut sei hier wieder den Schülern und Lehrern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Zeitz gedankt, die ihr begonnenes Engagement für die Grundschule in Tuléar auch im Rahmen der Festwoche der Schule fortgeführt haben. Sie spendeten für die Grundschule Motombe 459,50 Euro.

Bitte helfen Sie auch weiterhin.

Aktuelle Infos, Spendenhinweise und Fotos unter:

www.melzer-madagaskar-projekt.de

Heike & Frank Melzer

Rippicha, im Mai 2019

Jahresbericht 2017

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Mit etwas Abstand blicken wir zurück auf das Jahr 2017 und unsere Bemühungen, der Satzung des Vereins gerecht zu werden: Wie immer sehen wir viel Licht und viel Schatten.

Die soziale und die politische Situation in Madagaskar sind keinesfalls besser geworden. Eine positive Entwicklung ist nicht in Sicht. Die Einschätzung zur sozial-ökonomischen Situation im Land in unserem Jahresbericht 2016 ist unverändert aktuell.

Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin:

Dr. Jane Olivier baute auch 2017 mit Geduld, Fleiß, Geschick und einem Gespür für die effektive Vernetzung mit anderen NGO das medizinische Zentrum weiter aus, gemeinsam mit Ihrem Mann Jean-Pierre und ihrem Team. So wurden wichtige medizinische Bereiche gefliest, ein leistungsfähiges Labor ausgebaut und nach herben Rückschlägen der Veruntreuung von Pharmazie eine Datenbank zur Organisation und Überwachung installiert. Um der Klinik langfristig Kosten für die Dieselgeneratoren zu sparen und eine dauerhafte kontinuierliche Stromversorgung sicherzustellen, die u.a. für medizinische Geräte unabdingbar ist und deren täglich aktuell mehrfache Unterbrechung auch die Technik gefährdet, entschlossen wir uns nach sorgfältiger Abwägung, an der Klinik eine Photovoltaikanlage mit Stromspeicherung zu installieren. Dazu investierte unser Verein im August 20.000,- Euro. Nach sorgfältiger Planung, Beschaffung, Transport und Installation rechnen wir im Sommer 2018 mit der Inbetriebnahme. Wir werden berichten.

Kennt Ihr schon die Webseite des Centre Medical? Wir empfehlen gerne einen Blick auf

http://www.cmdt.mg.

Clinique St.Luc in Tuléar:

An der Klinik gibt es personell wenig positive Veränderungen. Dr. Justin und Frau Dr. Clarette sind der Fels in der Brandung für die tägliche Routine. Für chirurgische Eingriffe kommt ein Gastchirurg. Durch unsere Kontakte zum medizinischen Personal wissen wir, dass die Motivation für diese harte Arbeit schlechter geworden ist.

Die 2016 begonnene umfassende Rekonstruktion der Krankenbaracke der II. Klasse mit dem Entbindungstrakt, den Sanitäreinrichtungen und Patientenzimmern wurde 2017 sehr erfolgreich fortgesetzt, wobei wir als Verein erstmals nach der Sanierung davon erfuhren.

Dazu nahm die Familie Rakotomavo als Besitzer und Betreiber der Klinik einen Kredit auf, dessen Konditionen mit 30% Zinsen die Klinik im III. Quartal 2017 nahe an den Ruin brachte. Um diesen abzuwenden, wurden 7600qm – ein Teil des bisher nicht genutzten Geländes – der Klinik sowie 2 private Pkw der Familie Rakotomavo verkauft. Parallel blieb die wirtschaftliche Lage der kleinen Klinik prekär. So war die Anzahl der ambulant und stationär behandelten Patienten unverändert niedrig. Die extreme Armut der unteren und der Mittelschicht führte die Kranken erst bei auswegloser Situation in die Klinik. Wohlhabende Patienten würden die Klinik nicht mehr besuchen, da es für sie in der Stadt eine bessere Alternative gäbe. Die Mitarbeitergehälter, die Gebühren für Strom, Wasser und Steuern wären gestiegen, so dass die Klinik keinen finanziellen Gewinn mehr verbuchen konnte. Wir erfuhren als Verein erst nach der Misere. So konnten wir den Kredit und dessen Folgen nicht verhindern. Die Rekonstruktion auf eigene Kosten der Klinik war falsch, die Sanierung wohl aber nötig gewesen. Unser Verein hätte diese Investition mühelos und gerne finanziert. Die Organisationsprobleme der Klinik nehmen Jahr für Jahr zu und sind beängstigend. Konzepte zur Optimierung und Risikominimierung hatten wir im Rahmen der beiden letzten Aufenthalte intensiv gemeinsam diskutiert und auch schriftlich vorgelegt. Madagassische Gepflogenheiten verhindern seit Jahren die Umsetzung dringend nötiger organisatorischer Änderungen und die Anwerbung von fähigem, die Klinik prägendem Personal. Erst als die Not übergroß wurde baten uns die Kollegen um finanzielle Hilfe, da sonst das Personal nicht mehr hätte bezahlt werden können. Wir überwiesen deshalb aufgrund dieser Bitte mit Offenbarung der o.g. Probleme im September 2017 ausnahmsweise 5000,- Euro für Personalkosten.

Als wir im August um die Finanzierung von 2 Sauerstoff-Geräten angefragt wurden, war von den o.g. Problemen keine Rede. Selbstverständlich kauften wir diese umgehend vor Ort für 2000,- Euro in Tuléar.

„We are very, very thankful to MMP for the help for buying these oxygen concentrators. Please transmit our thank to all MMP members. In the name of the Clinique (and my family) we are so grateful about what you have done.“ Herizo Rakotomavo (17.09.2017)

 

Wir möchten allen, die 2017 unseren Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ und damit die Mitarbeiter und Patienten der Clinique St.Luc in Tuléar und des Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin tatkräftig unterstützt haben, für ihre Hilfe danken. U.a. erhielten wir 2017 erneut von den Firmen medac GmbH, Uropharm AG und Takte GmbH großzügige Zuwendungen.

Mit großer Freude und fast schon etwas überrascht erhielten wir auch vom LIONS Club Vortaunus im Juli 2500,- Euro für die IT- Optimierung des Centre Medical in Fort Dauphin. Nach unserem Vortrag über Madagaskar im Oktober 2016 hatten wir mit einer Spende schon nicht mehr gerechnet.

Mit einem Gesamtspendenaufkommen von 21.436,10 Euro hatten wir die zweibeste Spendeneinnahme seit 2011 und konnten deshalb sehr gezielt 28.450 Euro ausgeben.

Am Jahresende 2017 begannen wir auch, die Internetpräsenz des Vereins inhaltlich zu überarbeiten, die Präsentation aufzufrischen und zu modernisieren.

Dank gilt auch den Schülern und Lehrern des GSG Zeitz, die ihr begonnenes Engagement für die Grundschule in Tuléar auch im Rahmen der Festwoche der Schule fortgeführt haben. Sie spendeten für die Grundschule Motombe 270,50 Euro. Alle Gelder dieses Projektes werden wir 2018 vor Ort in eine pragmatische Unterstützung für die Schulbildung einbringen.

Bitte helfen Sie auch weiterhin.

Aktuelle Infos, Spendenhinweise und Fotos jetzt NEU unter:

www.melzer-madagaskar-projekt.de

 

Rippicha, im Juni 2018                                          Heike & Frank Melzer

Sarah Wieland – Praktikumsbericht

Mit Hilfe des Vereins absolvierte Sarah Wieland, die z.Z. in Ulm zur Kinderkrankenschwester ausgebildet wird, vom 11.07. bis 07.08.2016 im Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin ein Praktikum. Ihren lesenswerten Bericht finden Sie HIER

Jahresbericht 2016

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Wir Vereinsmitglieder eines kleinen Hilfsprojektes blicken zurück auf das Jahr 2016: Erfolgreich und mit beachtlichen Ergebnissen konnten wir erneut helfen, die medizinische Versorgung im Süden Madagaskars etwas zu verbessern.

Die soziale Not und die politische Situation in Madagaskar sind unverändert ernst. Verbesserungen können wir nicht konstatieren. Am 17.01.2017 veröffentlichte die internationale Hilfsorganisation CARE ihren Bericht darüber, welche humanitären Krisen und Naturkatastrophen, unter denen mehr als eine Million Menschen litten, 2016 die geringste mediale Aufmerksamkeit in mehr als 250.000 Onlinemedien erhalten hatten. „Suffering in Silence:…“ Die Nahrungskrisen in Eritrea, Madagaskar und Nordkorea erhielten am wenigsten Berichterstattung. Aber sie verdienen die öffentliche Wahrnehmung! CARE nimmt die Hilfsorganisationen in die Verantwortung, Krisen zu kommunizieren und Verantwortung zu übernehmen. Das sei hiermit unterstrichen.

Im Welthungerindex findet sich Madagaskar 2016 auf Platz 114 von 118. Außerdem hatte das Klimaphänomen El Nino 2016 gravierende Auswirkungen, wie eine Untersuchung von UNICEF, Welternährungsprogramm WFP und der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO (UNO) zeigt.

Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin:

Dr. Jane Olivier und ihr Team leisteten auch 2016 Großartiges. Das medizinische Zentrum kämpft um den Status eines Krankenhauses. Mit Fleiß, Charme, Geduld und einem geradezu bewundernswerten Kampf gegen Korruption und Missgunst versuchen die Kollegen, die stetig wechselnden und willkürlichen Anforderungen zu erfüllen. So gelang es 2016, mit dem baulichen Ausbau eines Labors und nicht zuletzt dank unserer Hilfe durch Anschaffung eines Blutwerte-Bestimmungsautomaten der Firma Mindray für 8528,- Euro, die staatliche Konzession für ein Krankenhauslabor zu erhalten. Damit haben sich die diagnostischen Möglichkeiten zugunsten der Patienten erheblich verbessert, Therapieentscheidungen sind kompetenter und zuverlässiger geworden.

Die hygienischen Bedingungen verbesserten wir sehr kurzfristig durch die Finanzierung eines Toilettenhäuschens für die ambulanten Patienten und Besucher, die ihre Bedürfnisse nun nicht mehr auf dem Krankenhausgelände verrichten müssen.

Für weitere 5000,- Euro wurde wichtiges medizinisches Equipment angeschafft. Mehrere medizinische Beistellwagen, Infusionsständer, medizinische Instrumente sowie ein Kühlschrank und Hilfsmittel erleichtern die Arbeit der Klinik. Eine Summe von 4500,- Euro überwiesen wir für eine Basis-PC-Ausstattung, wobei der wesentliche Anteil der IT-Ausstattung und die Absicherung einer zuverlässigen Stromversorgung für 2017 geplant sind.

Im Mai 2016 hatten wir dann Dr. Jane Olivier mit ihrer Familie privat zu Gast. Gemeinsam mit unserem Freund und Kollegen Christian Hönemann besuchten wir anschließend ein Symposium über Entwicklungshilfe am Wilhelmstift in Hamburg, wo Dr. Jane über ihre Erfahrungen referierte. Interessant war, dass alle Hilfsorganisationen am Transportproblem auf die Insel scheitern und sämtliche Ausrüstungsgegenstände selbst mit auf die Insel nehmen. Auch andere Organisationen helfen mit punktuellem und sehr persönlichem Engagement dort, wo die madagassische Politik versagt.

Die mitteldeutsche Zeitung berichtete am 11.06.2016:

Mit Hilfe des Vereins konnte Sarah Wieland, die zur Zeit in Ulm zur Kinderkrankenschwester ausgebildet wird, vom 11.07. bis 07.08.2016 im Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin ein Praktikum absolvieren. Ihren begeisterten, lesenswerten Bericht haben wir auf unserer Webseite eingestellt.

 

Clinique St.Luc in Tuléar:

An der Klinik gibt es wenig positive Neuigkeiten. Die neuen, jüngeren Ärzte haben Tuléar aus persönlichen Gründen wieder verlassen, sicherlich auch aufgrund organisatorischer Defizite der Leitung der Klinik. Die Hungersnot im Süden Madagaskars mit ca. 800.000 betroffenen Menschen führte auch dazu, dass die Klinik wenig Einkommen generieren konnte. Es bleibt eine harte Arbeit mit hochmotivierten Mitarbeitern, davon nur noch 2 Ärzte. Trotzdem begann 2016 die dringend nötige umfassende Rekonstruktion der Krankenbaracke der II. Klasse mit dem Entbindungstrakt, den Sanitäreinrichtungen und Patientenzimmern.

Da eine Ultraschallsonde defekt war, wurden wir um Ersatz gebeten. Es gelang, direkt über einen Medizinproduktehandel in Madagaskar eine neue Sonde für 2019,- Euro zu kaufen, welche im März 2016 direkt an die Klinik geliefert wurde.

Am 24.10.2016 stellten wir vor den Mitgliedern des Lions Club Vortaunus in Bad Soden unser Projekt in einem zweistündigen Vortrag vor. Man stellte uns die Finanzierung eines Defibrillators für das Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin in Aussicht.

Wir möchten allen, die 2016 unseren Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ und damit die Mitarbeiter und Patienten der Clinique St. Luc in Tuléar und des Centre Medical de Tolagnaro in Fort Dauphin tatkräftig unterstützt haben, für ihre Hilfe danken. Der Verein konnte ein Spendenaufkommen von 15.150,- Euro verbuchen und durch die sehr guten Einnahmen auch der Vorjahre gezielt 28.180,- Euro ausgeben.

Dank gilt auch dem Steuerbüro Fürst & Partner und Frau K. Odebrett, die die Finanzabrechung des Vereins kostenfrei für das Finanzamt realisiert und somit mehrere hundert Euro an Spendengeldern eingespart haben.

Danke auch an den deutschen Journalisten Klaus Heimer, der uns mit seinen täglichen Informationen per email aus Madagaskar auf dem Laufenden hält.

Ein besonderer Dank sei gerichtet an die zahlreichen und großzügigen Spender, die den Verein teilweise sogar regelmäßig unterstützen. Stellvertretend für jeden einzelnen seien hier genannt: H. Apitz, P. Brendel, K. Enke, Dres. H. u. R. Dietrich, W. Gawellek, I. Greikhan, A. Hannig, M. u. V. Heide, K. Heilmann, R. Hempel, Dr. G. Hildebrand, P. Klenke, J. Köhler, F. u. H. König, H. Kraft, G. u. B. Kunath, D. Lincke, H. u. U. Martin, H. u. I. Matthes, H. Narr, H. u. M. Oelsner, E. Otto, R. Papst, R. Prager, R. u. B. Rathmann, L. Röder, H. u. U. Rose, R. Rudkowski, H. Sadzulewski, Dr. G. u. R. Schimmel, E. Schulz, H.P. u. J. Schumann, J. Schumann, G. Schütze, G. Seidel, V. Sela, H. Simon, W.D. Stöhr, H. Szirniks, P. Theil, M. Tuffert, H. u. B. Ursichowski, H. Vetterkind, A. u. R. Weilbach, K. Weise, G. u. C. Wistuba, E. u. H. Wronski und die Firmen Taxi Möbius und medac GmbH.

Dank gilt auch den Schülern und Lehrern des GSG Zeitz, die ihr begonnenes Engagement für die Grundschule in Tuléar auch im Rahmen der 110-Jahrfeier der Schule fortgeführt haben. In dessen Rahmen hielten wir wieder einen Vortrag. Für die Grundschule Motombe wurden durch die Schüler und Lehrer des Geschwister-Scholl-Gymnasiums 470,- Euro gespendet.

Bitte helfen Sie auch weiterhin. Wir garantieren die zuverlässige Verwendung der Spenden materieller und finanzieller Art.

Rippicha im Juni 2016

 

Heike & Frank Melzer

Jahresbericht 2015

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Mit Stolz blicken wir als Vereinsmitglieder auf erfolgreiche Bemühungen und Erfolge zurück, auch 2015 die medizinische Versorgung im Süden Madagaskars zu verbessern.

Die politisch-soziale Lage im Land verbesserte sich nicht. Präsident Hery Rajaonarimampianina, seit 25.01.2014 im Amt, vermochte es mit seiner Regierung nicht, dringende soziale Probleme zu lösen. Verhaftet in Korruption und Selbstbedienungsmentalität existierte weiterhin politischer Stillstand. Einige wenige wurden reich, die Armut, besonders im Süden, wurde eher schlimmer. Die Nationalversammlung beschloss die Entlassung der Regierung und des Präsidenten, ein Veto vom (gekauften?) Obersten Gericht verhinderte dies. Gemeindewahlen im Juli 2015 waren mit nur 30% Wahlbeteiligung ein Podium, Opposition und Regierung mit legalen und illegalen Mitteln gegeneinander zu bringen. Laut Weltbank befand sich Madagaskar beim Ranking des Business Index von 189 Ländern auf Platz 163. Die Inflation lag bei 6%. Die Landeswährung Ariary wurde im März 2015 aufgrund des Handelsdefizits abgewertet. Dazu kamen wie so oft katastrophale Wetterbedingungen wie Zyklone, Überflutungen und Dürreperioden. Ein Viertel der Bevölkerung lebte in diesen Regionen. Die Vereinten Nationen stuften das Land im Human Development Report 2015 auf Platz 155 von 187 Ländern. Dort wurde festgestellt, dass die Ziele des Millenium Development Goals (MDG) 2015, Verbesserungen, besonders auf den Gebieten der Kindersterblichkeit, primärer Schulbildung und Verringerung extremer Armut, 2007 noch für möglich gehalten, nicht länger erreichbar sind. Im Welthungerindex wurde Madagaskar 2015 auf Platz 98 von 104 Ländern geführt.

Nunmehr zum 3. Mal in 5 Jahren bereisten wir im August 2015 das Land. Gemeinsam mit dem Kinderarzt und Reisebegleiter von 2013 Christian Höhnemann und verstärkt durch unseren Sohn Jakob wollten wir den Süden der Insel erkunden und 3 Kliniken besuchen.

In Fort Dauphin, einer kleinen Bergarbeiterstadt mit mehr als 40.000 Einwohnern im Südosten war unser erstes Ziel das kleine private Krankenhaus „Centre Medical de Taolagnaro“ der südafrikanischen Ärztin Jane Olivier. Innerhalb von 5 Jahren war hier aus einer Hinterhofsprechstunde ein medizinisches Zentrum mit Ambulanz, einer Apotheke und 8 Krankenhausbetten entstanden. Die hoch engagierte Ärztin baute mit Hilfe ihrer Familie und privatem Startkapital ein Zentrum für Geburtshilfe und Verbrennungsopfer auf. In für madagassische Verhältnisse atemberaubend kurzer Zeit hatte sie ihren Plan eines „Robin-Hood-Projektes“, wo die Armen umsonst behandelt werden können, indem die Reichen einen Teil der Kosten mittragen, in die Tat umgesetzt. Wir trafen auf eine rastlose, freundliche Kollegin, voller Ideen und Pläne, die Patientenversorgung zu verbessern. Uns imponierte sofort der fair und ungewohnt respektvolle Umgang mit ihren  madagassischen Kollegen und mehr als 20 Mitarbeitern, die sauberen Verhältnisse und die präzisen Organisationsstrukturen. Ungewöhnlich offen wurde uns die Klinik gezeigt, ehrlich über Probleme und Erfolge diskutiert. So ist ein Labor nur räumlich vorbereitet, aber noch ohne jedes Gerät. Ein Röntgengerät als Spende einer anderen Organisation ist eingelagert, aber nicht verwendbar. Toiletten für die Besucher fehlen. Die täglichen Strom- und Wasserabschaltungen sind eine Katastrophe. Ein riesiger Wassertank auf dem Dach dient als Reserve. Aber für eine Solaranlage zur Absicherung der Energieversorgung fehlt schlicht das Geld. Obwohl die Klinik sauber gestrichen ist und mit Bildern an den Wänden einladend wirkt, Fliesen auf den Fußböden wären hygienischer und besser zu reinigen. Wir hinterließen einen Reisekoffer voller medizinischer Instrumente – Otoskope, Ophtalmoskope, Blutdruckmessgeräte – und Medikamente im Wert von mehreren tausend Euro und versprachen, mit unserem Verein die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten der Klinik zu verbessern.

Ampanihy ist eine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern zentral im Süden Madagaskars. Hier hatten wir Gelegenheit, das staatliche Krankenhaus mit der angeschlossenen medizinischen Grundversorgung zu besichtigen. Der einzige Arzt und Chef der Einrichtung wird unterstützt durch 1 Schwestern und 1 Hebamme. Er empfing uns sehr freundlich und berichtete, für ein Einzugsgebiet von ca. 300.000 Einwohnern seien insgesamt 3 Ärzte und 30 Schwestern angestellt. Das räumlich sehr gut angelegte Krankenhaus aber ist bis auf 3 Betten leer. Außer gelegentlichen Entbindungen gibt es hier keine Medikamente, keine Operationen, kein Röntgen, kein Labor. Die vom Staat kostenlos zu erbringende Behandlung von Malaria, AIDS, Tuberkulose ist nicht möglich. Alle Kranken werden an das ca. 100km entfernte private Krankenhaus verwiesen, wenn sie denn den Transport finanziell und gesundheitlich ermöglichen können. Bei dieser Alternative schüttelt er aber den Kopf. Einzige Hilfe gegen die Infektionskrankheiten, Dehydrierungen, Malaria, Parasiten, Genitale Infektionen, Unfälle und Verletzungen ist letztendlich nur der Kontakt zur Welthungerhilfe, die in der Stadt ein Verteilungszentrum und Lager betreibt. Wir sind nachhaltig schockiert.

In Tuléar wurden wir durch die Kollegen und die Mitarbeiter der Clinique St. Luc überaus herzlich empfangen. Die von uns seit 2001 unterstützte Klinik hat im Vergleich mit den anderen besichtigten Einrichtungen einen sehr guten Organisations- und Ausstattungsstandard. Auf Drängen und durch Finanzierung unseres Vereins wurde die Krankenbaracke für die Ärmsten komplett saniert und auch ein Sanitärtrakt für die Patienten rekonstruiert und zugänglich gemacht. Wir sind begeistert von den Veränderungen. Statt 3-Bett-Kabinen sind nun 2 Betten gestellt, statt dunkler, 30 Jahre alter Ölfarben bestechen nun saubere, helle Fliesen und Farbtöne und laden freundlich ein. Hier hat sich für Patienten und Mitarbeiter sehr viel getan.

Zustand 2013:

Zustand 2013:

Auch hier hinterließen wir einen Reisekoffer voller Medikamente und kleiner Ausrüstungsgegenstände. Auffällig waren neben den positiven materiellen Verbesserungen erhebliche Dissonanzen innerhalb der Besitzerfamilie von Dr. Noël Rakotomavo, deren Hintergründe wir nur bruchstückhaft erfahren konnten. So wurde im Verlauf der vergangen Jahre allen 3 erwachsenen Kindern die Klinikleitung übertragen und auch regelmäßig wieder entzogen. Hier spielten nicht nur religiöse Gründe eine Rolle. So konnte sich Sohn Herizo in den letzten Jahren durchaus positiv einarbeiten, was u.a. die erfolgreiche Rekonstruktion der Ambulanz und des Bettenhauses sowie auch seine Reputation beim Personal widerspiegelt. Finanzielle Entscheidungen und Personalangelegenheiten obliegen immer noch dem greisen Seniorchef und Besitzer der Klinik. Deshalb bleiben zukunftssichernde Entscheidungen aus, wird dem Personal der Klinik ungenügend Vertrauen entgegen gebracht und dieses unzureichend entlohnt. Eine stetige Personalflucht über die Jahre war die Folge. Das Ärzteteam ist überaltert, Patienten bleiben wegen organisatorischer Unzulänglichkeiten weg. Das vor Jahren gepriesene Lambarene-Prinzip – Behandlung auch für die Mittellosen – ist nicht mehr aufrecht zu erhalten. Kostenlose Behandlung für die Tuberkulose-, Malaria- und AIDS-Kranken ist privaten Krankenhäusern nicht gestattet, in öffentlichen Krankenhäusern wie Ampanihy (s.o.) klappt es gar nicht. Bei der freundschaftlich geführten Diskussion mit allen Mitarbeitern und der Familie Rakotomavo geraten wir zwischen die Fronten. Uns fällt auf, dass uns eine Vielzahl an Wahrheiten präsentiert wird und das viele Informationen bewusst verschwiegen werden. Es gibt aber auch positive Erfahrungen. Die Klinik hat einen Wäscheplatz und einen Kochplatz für die Angehörigen der Patienten eingerichtet. Ein großer Wassertank in 10m Höhe sorgt für Unabhängigkeit von der desolaten öffentlichen Versorgung. Und, nicht zu vergessen: Das medizinische Personal ist fleißig und kompetent.

Im Zuge des Wahlkampfes des neuen Präsidenten Hery R. wurden in allen Provinzhauptstädten neue Krankenhäuser aus dem Boden gestampft: Exemplarisch für alle steht in der Hauptstadt Antananarivo ein imposantes Gebäude. Nach kurzem Arbeitsbeginn sind alle medizinischen Geräte funktionslos oder fort, das angestellte Personal wiederum verschwunden und es gibt keine medizinische Behandlung mehr…

So haben wir an 4 Krankenhäusern extrem viel Licht und Schatten gesehen. Das öffentliche Gesundheitswesen ist eine fast grauenvolle Erfahrung, alles Gute kommt nur aus privaten Einrichtungen oder NGOs. Unsere Hilfe ist nicht nur willkommen, sondern führt zu erheblichen Verbesserungen. Bedingung ist eine perfekte Kommunikation mit den Kollegen vor Ort und die exakte Zuordnung notwendiger Hilfe. Das wurde uns mehrfach bestätigt und das haben wir mit Stolz wahrgenommen.

Auf unsere Bitte hin waren wir wieder an der Schule Motombe in Tuléar. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Schulhilfsorganisation Angelo Rakotomavo, mit dem Direktor, dem Leiter der Elternvertretung und der Kassiererin des dortigen Vereins berichteten wir von den Aktionen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Zeitz und übergaben offiziell 1.000 Euro der Schule. Wir sollten unbedingt von allen Seiten herzlich Danke sagen. Die Madagassen waren sichtlich gerührt. Nach einer Information des Schuldirektors können nicht mal die Hälfte aller 500-600 Kinder an Schultischen, sondern müssen aus Platzmangel auf dem Fußboden sitzen. Kurz entschlossen bestellten wir deshalb für das Geld noch am gleichen Tag bei einem lokalen Tischler, der sich auf Schulbänke spezialisiert hat, nach Probesitzen und Verhandlungen zunächst 20 stabile, höherwertige Schulbänke mit kombiniertem Tisch für je 4 Kinder. Damit kommt das Geld absolut zuverlässig den Kindern zu Gute, verbessert deren Bedingungen und kann nicht missbräuchlich verwendet werden. Trotz Ferien waren wir an der Schulde dann von vielen Kindern umringt, so war die Atmosphäre schnell sehr emotional.

Weitere bemerkenswerte Vereinsprojekte des Jahres:

Im Januar finanzierten wir die von Frau Dr. Anna Klöpfer organisierten einheitlichen T-Shirts mit dem Klinikslogo für die Clinique St. Luc.

Der internistische Kollege aus Zeitz, Dr. J. Federbusch, spendete ein Ultraschallgerät. Die Versteigerung des Gerätes über ebay erbringt 500 Euro willkommener Spenden. Nach der Reise hielten wir in der voll besetzten Aula der VHS Zeitz einen Vortrag über unsere Reise. Auch die Zeitzer Lokalpresse brachte einen Artikel über unseren Einsatz. Am Jahresende verkauften wir 20 selbst erstellte Madagaskar-Kalender zur Gewinnung von Spendengeldern.

Wie auf unserer Mitgliederversammlung beschlossen, wurden zum Jahresende 2015 neue Matratzen für alle Betten des rekonstruierten Krankentraktes der Clinique St. Luc bestellt und mit 2.500 Euro direkt gekauft. Völlig überraschend fand sich in Madagaskar ein Hersteller von Hotelmatratzen, so dass diese spezifisch für die Hygieneanforderungen von Krankenhausbetten optimiert werden konnten.

Am 23.10.2015 fand die jährliche Mitgliederversammlung unseres gegenwärtig 26 Mitglieder zählenden Vereins statt. Entsprechend des Statuts wurde der Vorstand neu gewählt. Vorsitzender bleibt Dr. Frank Melzer, die weiteren Vorstandsmitglieder sind Brigitte Melzer, Sebastian Melzer und Wolfgang Panther. Wichtigster Beschluss des Vereinsvorstandes: Die Hilfe wird fortgesetzt. Mit konkreten medizinischen Projekten wird diese erweitert, auch auf das Krankenhaus „Centre Medical de Taolagnaro“ in Fort Dauphin.

Wir möchten hiermit allen, die unseren Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ und damit die Mitarbeiter und Patienten der Clinique St. Luc in Tuléar und des Medical Centre de Tolignara 2015 tatkräftig unterstützten, für Ihre Mitarbeit danken. Im Jahr 2015 konnten wir das höchste Spendenaufkommen seit 2011 verbuchen und damit unsere Hilfsmöglichkeiten sicherstellen. Bitte helfen Sie auch weiterhin. Wir garantieren die zuverlässige Verwendung der Spenden materieller und finanzieller Art.

Im November wurde in Madagaskar durch den deutschen Journalisten Klaus Heuer eine Broschüre über Hilfsprojekte für das Land aus dem deutschsprachigen Raum verlegt. Unser Verein wird dort umfassend vorgestellt. Der Verein hat noch einige Exemplare für Interessenten zur Verfügung.

Rippicha im Juni 2016

 

Heike & Frank Melzer

Jahresbericht 2014

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

Anfang des Jahres 2013 hatte der neue Staatschef Madagaskars Hery Rajaonarimampianina die Macht übernommen. Nach Jahren des Stillstandes, der Resignation, der Korruption, der Armut und des Ausverkaufes der Schätze des Landes mit einer zunehmenden Verelendung der ohnehin armen Bevölkerung waren wir nicht optimistisch, dass diese von dem Machtwechsel profitieren könnte. Dieser Pessimismus war berechtigt, wie der deutsche Journalist Klaus Heimer aus Tana und die Zeitschrift „Contemporary Africa“ zum Thema: „Madagascar-Anatomie einer Krise, Symptome eines gescheiterten Staates“, referierten:

Die Situation der 22 Millionen Madagassen verschlechterte sich 2014 weiter:

-Stromabschaltungen nahmen dramatisch zu und führten regional zu Unruhen.
-Stinkende Müllberge, fehlende Investitionen in die Infrastruktur als Dauerzustand
-Benzin- und Buspreise stiegen deutlich an.
-Die geplanten Senats- und Kommunalwahlen 2014 wurden zunächst auf 2015 verschoben
-Kidnapping, Überfälle, Räubereien nahmen weiter zu, unzweifelhaft waren Gendarmerie und Polizei gelegentlich involviert.
-Die Zuckerfabrik in Morondava mit unzähligen Arbeitsplätzen wurde zerstört.
-Mehrfach führten schwere Tropenstürme zu Tausenden Obdachlosen.
-Im Süden der Insel führte eine unverhältnismäßig lange Dürre zu Hunger und Not, Heuschreckenplagen und andere Pflanzenschädlinge vernichteten ganze Ernten.
-Justiz, Polizei, Service-Bereiche waren von Korruption gekennzeichnet, die parlamentarische Vertretung sei das Gespött der Republik, Beschlüsse gingen wohl an Meistbietende
-82% der Madagassen leben inzwischen unterhalb der Armutsgrenze.

Symptomatisch für die Lage im Land war einmal mehr der Pestausbruch 2014 in der Hauptstadt. 263 Menschen sollen seit September 2014 an Beulenpest erkrankt und 71 von Ihnen gestorben sein. Katastrophale Hygienebedingungen, Unrat, Armut und politische Fehlentscheidungen begünstigten die Ausbreitung des schwarzen Todes.

Der Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ blickt dennoch mit Stolz auf ein erfolgreiches Jahr 2014 zurück. Neben 25 aktiven Mitgliedern ermöglichen eine beeindruckende Anzahl an aktiven und zuverlässigen Helfern und Unterstützern mit organisatorischem Aufwand, mit Geld- und Sachspenden die Vereinsarbeit. Dazu gehören viele unserer Patienten, dazu gehören Freunde und Kollegen. Noch nie konnten wir so viele Spenden akquirieren wie 2014. Exemplarisch für alle möchten wir 2014 Frau Wagner, Frau Dr. Oberhauser, Fam. Narr, Fam. Pfleger und Herrn Apitz für ungewöhnlich großzügige Spenden danken. Auch den Mitarbeitern der Firmen Takeda und medac seien hier besonders gedankt.

Das Jahr 2014 stand komplett im Zeichen der Rekonstruktion der Krankenstation für die Ärmsten. Mit den vom Verein gespendeten 10 000,- Euro wurde das Haus komplett entkernt, ein neues Dach gedeckt und die Elektrik erneuert, Wände und Böden gefliest und geputzt. Waschbecken, Toiletten und Duschen stehen nun zur Verfügung. Seit Dezember sind nun dort wieder Patienten untergebracht. Statt Drei- gibt es nun Zweibettzimmer. Betten wurden ausgebessert. So passen nun auch noch Nachttische und Sitzgelegenheiten in die Räume.

So sah es vorher aus:

So sah es vorher aus:

… die Rekonstruktion:

… und das eindrucksvolle Ergebnis:

Frau Dr. Anna Klöpfer, die schon seit Oktober 2012 vor Ort gearbeitet hatte, verlängerte Ihre für 2 Jahre geplante Tätigkeit an der Klinik bis Dezember. Auch 2014 übernahm der Verein die Bezahlung des Klinikgehaltes. Wir danken Ihr außerordentlich für eine unschätzbare Kommunikation und Unterstützung der Clinique St. Luc. Neben Ihrer Tätigkeit als Ärztin unternahm sie viel zur Weiterbildung der Mitarbeiter, organisierte neue Labortechnik und bildete junge Kollegen am Ultraschallgerät aus. Durch Anna wurden auch erhebliche Probleme in der Klinik offenbar: Das Management der Klinik ist uns aufgrund madagassischer Familienstrukturen schwer verständlich. Die Angestellten leiden spürbar unter mangelhafter Leitung und fehlender Kommunikation. Die Motivation der Mitarbeiter ist deshalb schlechter geworden. Ausbildung aber lohnt: Das diplomierte Pflegepersonal ist souverän im Umgang mit Patienten, mit Medikamenten und Geräten wie EKG oder Sauerstoffgeräten.

Veränderungen sind schwer oder nicht durchsetzbar. Versuche der Vereinsführung, hier Einfluss zu nehmen, blieben bisher erfolglos. Andere Probleme wären lösbar, sind aber von hier nicht zu klären: So fehlt es an der Klinik an kostenfrei vom Staat Madagaskar zu beziehenden Medikamenten gegen Tuberkulose, Malaria und AIDS, an vielem anderen auch.

In der urologischen Praxis Zeitz informiert nun eine hochmoderne Videoinstallation über Land und Leute und die Klinik in Tuléar. Die Präsentation des Landes im Wartezimmer der urologischen Praxis wurde erneut sehr begeistert angenommen.

Die ca. 20 Fahrräder der DEKRA- Akademie, die uns 2013 angeboten wurden, haben wir aufgrund unrentabler Transportmöglichkeiten nach Tuléar ausgeschlagen.

Großer Respekt gebührt den Gymnasiallehrerinnen Fr. Wolf und Fr. Czok und der aktiven Schar an Schülern der Klassenstufen 8 und 11. In zwei Vorträgen vor den Klassenstufen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Zeitz über Projekt, Land und Leute des Vereinsvorsitzenden kam es zu angeregten Diskussionen. Basis war ein Geographie-Französich-Projekt und ein Kulturmarkt zum Thema Madagaskar. Anschließend nahmen die Schüler Kontakt mit Angelo Rakotomavo auf, der gleichfalls ein Schulprojekt vor Ort unterstützt. Mit eigenen Aktivitäten kam eine ansehnliche Spendensumme für die Klinik und auch für die Schule in Tuléar zusammen.

 

Eine Welt, die ihre Menschen liebt.

Eine Welt, die ihre Augen nicht verschließt

Vor dem Hunger, der Not und der Angst.

Wo die Blume und der Baum die Schönheit bestimmt

Und sauberes Wasser den Flüssen entrinnt.

Dafür singe ich heute dieses Lied.

 

Aufmerksamkeit und Dank gehört Frau Anett Leutritz, die als Leiterin mit ihrer Arbeitsgemeinschaft „Mein erstes Buch“ einen Teil des Erlöses von „Emilia diesseits und jenseits des Atlantiks“ an unseren Verein spendete. Das Gedicht ist diesem Buch entnommen und paßt so gut zu unserem Bemühen.

Im Februar gab uns Frau Rosemarie Züge-Gutsche Gelegenheit, im Buchkeller ihrer Brendel´s Buchhandlung Gera, das Hilfsprojekt öffentlich vorzustellen. Der Abend war gut besucht und sehr unterhaltsam. Ein beachtliches Spendenaufkommen war das Ergebnis.

Im April 2014 stellten wir unser Projekt im Rahmen des Abends der Wissenschaften am Georg-Samuel-Dörffel-Gymnasium Weida vor. Die Veranstaltung war gut besucht, Pläne wurden geschmiedet, aber trotz Engagement von Frau Werner und Herrn Kotsch nicht weiter verfolgt.

Dank gilt auch dem Steuerbüro Fürst & Partner mit Frau Kristina Odebrett, die die obligatorische Finanzabrechnung des Vereins kostenfrei für das Finanzamt vorbereiteten und somit mehrere hundert Euro an Spendengeldern sparten.

Seit 26.09.2014 arbeitet die belgische Kollegin Veronique Suttels an der Clinique St. Luc. Wir konnten sie erfolgreich vermitteln, nachdem sie von unserer Vereinsarbeit über den Madagaskarreiseführer und unsere Webseite erfahren hatte. Wir pflegen eine gelegentliche Kommunikation, um die Bedingungen der Klinik auch aus ihrer Sicht besser werten zu können.

Im November 2014 konnten die beiden Krankenpfleger Mattias und Michael Seifferth aus Altenburg das von Frau Dr. Birgit Nitsch aus Hohenmölsen gespendete tragbare Ultraschallgerät nach Madagaskar mitnehmen und in der Klinik übergeben. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass sie einen Teil der beachtlichen Transportgebühren selbst übernahmen.

Ausblick:

Auch 2015 wird ein ereignisreiches Jahr. Im Sommer 2015 werden wir zu unserer 3. Reise an die Klinik aufbrechen, wieder begleitet von unserem Freund und Kinderarzt Christian Hönemann. Wir möchten die Fortschritte und die Probleme der Klinik analysieren und neue Projekte besprechen. Erstmals werden wir auch eine ähnliche Einrichtung in Fort Dauphin besuchen, wo die Ärztin Dr. Jane Olivier Basismedizin betreibt und dringend Hilfe bedarf. Wir werden berichten!

Wir möchten hiermit allen, die unseren Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ und damit die Mitarbeiter und Patienten der Cliniqué St. Luc in Tuléar 2014 tatkräftig unterstützten, für Ihre Mitarbeit danken.  Bitte helfen Sie auch weiterhin. Wir garantieren die zuverlässige Verwendung der Spenden materieller und finanzieller Art.

Rippicha im Februar 2015

 

Heike & Frank Melzer

Jahresbericht 2013

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Helfer, Spender und Unterstützer!

In Madagaskar stand das Jahr 2013 ganz im Zeichen der Präsidentschaftswahlen. Nach 4 quälend langen Jahren des Stillstandes, der Resignation, der Korruption, der Armut und des Ausverkaufes der Schätze des Landes mit einer zunehmenden Verelendung der ohnehin armen Bevölkerung durch eine unfähige Regierung unter Putschpräsident Andry Rajoelina kam Hoffnung auf. Laut oberstem Wahlgericht CES hat aber bei einer Stichwahl dessen verlängerter Arm und Ex-Finanzminister Hery Rajaonarimampianina mit 53,5% der Stimmen gewonnen. Dessen Wahlkampf soll 43 Millionen US- Dollar gekostet haben! Und das in Madgaskar. Die Wahlbeteiligung lag bei 50%. Der unterlegene Dr. Robinson spricht von groß angelegter Wahlfälschung und Betrug. Das Land scheint durch die Wahl gespaltener denn je zuvor. Natürlich ist diese Wahl ein Erfolg. Unzweifelhaft aber ist das Ergebnis in einem von Korruption und Bestechung, von Ausbeutung, extremer Armut und Analphabetentum geprägten Land kein Lehrstück fairer, unabhängiger oder gerechter Wahlen. Leider gibt das Ergebnis keinen Anlass zur Hoffnung auf gravierende Verbesserungen in der Lebensqualität der madagassischen Bevölkerung. Die Armut wird bleiben. Gewalt, Kriminalität und Überlebenskampf, besonders in den Ballungszentren, werden bleiben. Der Ausverkauf der Rohstoffschätze des Landes wird kaum gestoppt werden.

Trotz dieser Verhältnisse blick der Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2013 zurück. Unser Verein ist nunmehr auf 25 aktive Mitglieder angewachsen. Wir haben inzwischen eine beeindruckende Anzahl an aktiven und zuverlässigen Helfern und Unterstützern, die mit organisatorischem Aufwand, mit Geld- und Sachspenden die Vereinsarbeit erst möglich machen. Dazu gehören viele unserer Patienten, dazu gehören Freunde und Kollegen, dazu gehören die Kliniken in Zeitz und Weißenfels und auch Pharmafirmen. Exemplarisch für alle möchten wir hier Familie Panther danken, die an Stelle von Geschenken für 2 runde Geburtstagsfeiern um Spenden für den Verein gebeten hatte. Nur durch all diese Helfer können wir den Mitarbeitern und Patienten der  Klinik St. Luc in Tuléar zuverlässig konkrete, projektbezogene Hilfe anbieten und realisieren.

Seit Oktober 2012 arbeitet Frau Dr. Anna Klöpfer nun schon an der Clinique St.Luc. Nach anfänglicher Skepsis der Kliniksleitung ist sie jetzt ein sehr wichtiger Partner vor Ort. Ihr Rat ist bei Ärzten und Schwestern gleichermaßen geschätzt. Unter ihrer Anleitung verbesserten sich Organisationsstrukturen und Hygiene in der Klinik. Ultraschalluntersuchungen werden nun routinemäßig durchgeführt. Blutuntersuchungen (z.B. Malariadiagnostik) wurden modernisiert. Dank ihrer Beziehungen zur GIZ konnte neue Labortechnik erworben werden. Anna Klöpfer führte Notfallweiterbildungen für die Schwestern mit Reanimationstraining durch. Ein Notfallkoffer wurde eingerichtet. Ein neuer Laptop mit Internetzugang ist zur Fachinformation der Mitarbeiter von unschätzbarem Wert. Sie organisierte neue Lehrbücher in französischer und englischer Sprache. Ihr Wirken vor Ort als Vereinsmitglied bringt uns Informationen aus erster Hand und hilft unschätzbar bei der Koordination der Projektarbeit. Erwähnt werden soll auch, dass private Aktivitäten ihres Vaters zu einer bedeutenden finanziellen Unterstützung des Vereins führten.

Heike und Frank Melzer reisten gemeinsam mit dem Kinderarzt Christian Hönemann aus Altenburg im März und April 2013 erneut an die Clinique St. Luc in Tuléar. Unübersehbar haben Armut und Dreck im Lande zugenommen. Es gibt mehr Bettler und Kleinkriminelle, mehr Polizei und Korruption, vereinzelt aber ausgestellter Wohlstand. Auf dem Land fehlt es an Verwaltung. Straßen werden nicht repariert und sind ungleich schlechter als 18 Monate zuvor. Das kleine Bahnsystem steht vor dem Kollaps. Landraubbau, riesige Erosionsschäden durch Brandrodung, fehlender Schutz der verbliebenen Naturreservate, Jugendliche mit Gewehren fallen auf. Unterwegs beeindrucken Lehm- und Holzhütten ohne Strom und Wasser, unheimlich viele Kinder und bettelarme Menschen. Der Putsch hat tiefe Spuren hinterlassen. In der Klinik erwartet uns ein begeisterter Empfang. Hier hat sich viel verbessert. Die mit unserer Planung und Finanzierung rekonstruierte Ambulanz ist modern, sauber, einladend. Alle Räume sind nun mit Waschbecken ausgestattet, Toiletten für Männer und Frauen mit modernem Standard. Dach, Fenster, Türen, Böden sind neu, die Wände hell gefliest. Neben viel Licht gibt es auch Schatten. Ein Chirurg verließ die Klinik in Richtung Hauptstadt. Auch Schwestern und eine der Hebammen werden an anderen Orten besser bezahlt. Ihr Weggang bedeutet Verlust. Aufgrund der erdrückenden Armut und der fehlenden Einnahmen war die Kliniksleitung nicht in der Lage, das Gehalt der Mitarbeiter zu erhöhen. Immerhin wohnen die meisten Mitarbeiter kostengünstig und mit mehr Sicherheit auf dem Kliniksgelände. Uns Besuchern fallen die hohe Arbeitsmoral, der Fleiß und die Wissbegierigkeit aller Mitarbeiter auf. Die Zusammenarbeit macht viel Freude. Der Übergang der Leitung der Klinik vom alten, erfahrenen Universalgelehrten und Mediziner Dr. Noël Rakotomavo auf den ökonomisch und organisatorisch begabten und hochmotivierten Sohn Herizo wirkt stockend. Der bauliche Zustand anderer Gebäude wie des Labors, der Entbindungsabteilung und der Krankenbaracke für die Armen sind erbärmlich. Der Verein bietet die komplette Finanzierung der Rekonstruktion dieser Krankenbaracke an, macht aber eine zeitgemäße Ausstattung mit Toiletten und Sanitärtrakt zur Bedingung. Von 2 Ultraschallgeräten, mit denen wir im Vorjahr arbeiteten, funktioniert nur noch eins, welches aber zertrümmert ist. Auch andere Technik und andere Vorräte werden nicht gepflegt und geschützt. Andererseits kam Ende des Jahres eine Kollegin von einer halbjährlichen Weiterbildung aus der Hauptstadt zurück, um an der Clinique St. Luc endoskopische Untersuchungen eigenverantwortlich durchzuführen. Und es gelang, 2 neue junge Ärzte anzustellen, die zu Chirurgen ausgebildet werden sollen. Der vom Verein gespendete Video-Beamer wird inzwischen regelmäßig alle 2 Wochen für Kinoveranstaltungen in der Klinik für Kinder und Erwachsene und zur Weiterbildung der Mitarbeiter genutzt. Wir kritisierten vor Ort die teils unwürdigen Unterkünfte einzelner Mitarbeiter. Hier investierte die Klinik in den vergangen Monaten erheblich, so dass von den Wirbelstürmen zerstörte Hütten nun als solide Häuser beachtliche Wohnqualität bieten.

Wie schon 2012 haben wir mit eindrucksvollen Fotos unserer Reise einen Jahreskalender „Madagaskar 2014“ gestaltet und immerhin 40 Exemplare verkauft. Manche Bestellwünsche konnten leider nicht mehr erfüllt werden. 300,- Euro Erlös ging an den Verein.

Nach unserer Reise im März-April 2013 an die Klinik gab es viel zu berichten. Unser Vortrag an der Zeitzer Volkshochschule war so gut besucht, dass die geplanten Räumlichkeiten nicht ausreichten und wir in die Aula umziehen mussten. Auch Vorträge im Bürgerhaus Hohenmölsen, in Langgrün und im Altenburger Klinikum zogen eine Vielzahl an Neugierigen an und brachten mit den sehr interessanten Veranstaltungen auch willkommene Spenden. Im November 2013 nutzten wir die Fachweiterbildung von Thüringer und Sachsen-Anhalter Ärzten in Freyburg, unsere Vereinsarbeit und die Clinique St. Luc vorzustellen. In der neurologischen und der urologischen Praxis Zeitz informierten aktuelle Fotoausstellungen über Land und Leute und die Klinik in Tuléar. Die Diapräsentation aktueller Bilder des Landes im Wartezimmer der urologischen Praxis wurde erneut sehr begeistert angenommen.

Die neue Webseite des Vereins wurde 2013 fertiggestellt. Um die Kosten für einen Grafiker zu sparen und mit den Spendengeldern sparsam umzugehen, hatten wir die Inhalte und Darstellung der Seiten selbst entwickelt. Nun ist eine überzeugende und informative Plattform entstanden, die unserem Anliegen gerecht wird. Die Vereinsarbeit soll persönlich, verbindlich und konkret verfolgt werden können. Berichte und Bilder sollen die Schönheit und Widersprüchlichkeit Madagaskars wiederspiegeln und Spender sich wiederfinden. Die Pflege und Aktualität der Webseite danken wir nun unserem Sohn Sebastian Melzer, der sich mit guten Ideen, viel Zeit und Sorgfalt schon seit März 2013 dafür verantwortlich fühlt.

Im April 2013 würdigte die Wartezimmerzeitung PRAXISVITAL die Arbeit des Vereins und besonders die Tätigkeit von Frau Dr. Klöpfer mit einem zweiseitigen Artikel. Im Mai bzw. Juni 2013 erschienen umfangreiche Artikel des in Madagaskar lebenden Journalisten Klaus Heimer, der uns bei unserer Tour im März 2013 von der Hauptstadt Tana an die Klinik in Tuléar begleitet hatte, über unsere Projektarbeit in der Mitteldeutschen Zeitung und in der Ostthüringer Zeitung. Der SuperSonntag berichtete 2x umfassend von unserer Reise und dabei sogar mit einem Livebericht aus der Klinik. Im November 2013 wurde in der Osterland Sonntagszeitung über unsere Arbeit informiert.

Das Transportproblem ist nicht gelöst. Kleinere Pakete senden wir unverändert nach Frankreich, um Einfuhrzölle zu umgehen. Dort werden sie von einem betagten Pater umetikettiert und zollfrei in die ehemalige französische Kolonie weitergeleitet. Da die Transportkette durch das Alter des Franzosen gefährdet scheint, sind wir froh, dass wir mit unserem französischen Freund Michaël Wizmann nun eine sichere und langfristige alternative Hilfe haben.

Ein anderes Transportproblem tat richtig weh. Der Geschäftsführer der Asklepios-Klinik Weißenfels Herr Bauer stellte 20 gut erhaltene, funktionstüchtige Krankenhausbetten mit Matratzen und Nachttischen bereit. Diese waren mit je 2 Hydraulikpumpen elektrisch verstellbar, aber in keiner Weise demontierbar. Diese Hightech- Ausstattung, für die deutschen Patienten eines renommierten Konzerns nicht mehr gut genug, ist für die Klimaverhältnisse in Tuléar ungeeignet und der Transport unrentabel. Wir verzichteten auf die Spende! Frau Dr. Birgit Nitsch und Herr Dr. Jörg Federbusch stellten der Klinik gut erhaltende Ultraschallgeräte zur Verfügung, die wir 2014 ebenso wie die ca. 20 Fahrräder der DEKRA- Akademie nach Tuléar versenden müssen.

Mit den finanziellen Einnahmen konnten wir in diesem Jahr wichtige Projekte realisieren: So haben wir die Auslagen der Clinique St. Luc für Frau Dr. Klöpfer finanziert. Alle nichtärztlichen Mitarbeiter der Klinik wurden mit einem ADES- Energiesparkocher versorgt. 2000,- Euro wurden der Klinik für dringende Reparaturen bereitgestellt. Alle anderen Rücklagen werden 2014 für die Rekonstruktion der Krankenbaracke benötigt, die wir mit 20 000 bis 30 000,- Euro veranschlagen.

Im Schatten dieser großartigen Ereignisse gab es auch andere Erfahrungen in Deutschland. Während unseres Madagaskaraufenthaltes hatten wir unter anderem die Gelegenheit genutzt, die staatliche Grundschule Motombe in Tuléar zu besuchen. Die Erlebnisse und Eindrücke sind unbeschreiblich: Armut pur. Wir sahen ein vom Zyklon im Februar 2013 erheblich zerstörtes Schulgebäude. Eine vorher vorhandene Reisküche fehlte. Lehrer arbeiteten unentgeltlich. Von über 300 Kindern kam nur noch ein Bruchteil zum Unterricht, da die übliche Reismahlzeit nicht mehr gewährt werden konnte. Staatliche Hilfe zur Reparatur des Schulgebäudes oder zum Wiederaufbau der Küche war überhaupt nicht in Sicht. Der schuleigene Brunnen war versottet und konnte nicht mehr genutzt werden. Schulmaterialien gab es kaum. Die Kleidung und die Armut der Kinder waren unbeschreiblich. Wir trugen die Erfahrungen, gemeinsam mit einer Vielzahl an eindrucksvollen Fotos und einer Bitte um Unterstützung für diese Schule an die Schulleiter der Gymnasien von Droyßig und Zeitz heran, leider ohne Resonanz.

Es bleiben genug Probleme: Die gigantische Armut in Madagaskar führt unverändert dazu, dass Patienten ihre Behandlung nicht bezahlen können. Auch bei gutem Willen der Kliniksärzte kann nicht jeder Kranke unentgeltlich behandelt werden. Es fehlt weiterhin an wichtigen Materialien des Krankenhausbetriebes. Manches kann vor Ort besorgt werden. Für viele Materialien und auch Kleinigkeiten stellen der Transportweg und die Versanddauer ein Problem dar.

Wir möchten hiermit allen, die unseren Verein „Melzer-Madagaskar-Projekt e.V.“ und damit zu 100% die Mitarbeiter und Patienten der Clinique St. Luc in Tuléar 2013 tatkräftig unterstützt haben, für Ihre Mitarbeit danken.  Bitte helfen Sie auch weiterhin. Wir als Verein garantieren die zuverlässige Verwendung der Spenden materieller und finanzieller Art.

 

Rippicha im Januar 2014

 

Heike & Frank Melzer

Frau Dr. Anna Klöpfer

Nach einigen Jahren meiner Tätigkeit als Internistin in deutschen und Schweizer Kliniken suchte ich eine neue Herausforderung, auch weil mich die perfektionierte, teure ‚Hochglanzmedizin’ nicht mehr befriedigte. Zudem war ich das ständige und aufwendige Schreiben leid. Mehr Büroarbeit als direkter Kontakt mit Patienten – so hatte ich mir meinen Traumberuf nicht vorgestellt. Als Jugendliche wuchs ich einige Jahre in Südafrika auf und hatte seitdem immer ein wenig Fernweh. Zudem habe ich während des Studiums weitere Praktika in Südafrika gemacht und ein Jahr in Lambaréné (Gabun) an einer Malariastudie mitgearbeitet. Dadurch habe ich ein Faible für die Tropenmedizin entwickelt. Zusätzliches theoretisches Wissen eignete ich mir in einem dreimonatigen Kurs für Tropenmedizin in London an.

Somit wuchs der Wunsch, in einem afrikanischen Land zu arbeiten und mich dort sinnvoll als Ärztin einsetzen zu können.

Nach Madagaskar verschlug es mich dann eher zufällig. Mit Hilfe und durch Empfehlung des Melzer-Madagaskar-Projektes konnte eine Anstellung an der Clinique St. Luc für 2 Jahren vereinbart werden. Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) (siehe Erklärkasten) setzte die Jobvermittlung in die Stelle an der Klinik um und fördert meinen Einsatz finanziell durch Zuschüsse zum lokalen Gehalt. Somit brach ich im September 2012 in den Südwesten Madagaskars auf, um an der Klinik zum einen Patienten zu versorgen, aber auch um nachhaltig Strukturen und Abläufe zu verbessern.

Inzwischen arbeite ich seit 9 Monaten in Tuléar und bin vollständig in das Team integriert. Am Anfang wurde ich noch vorsichtig beäugt, da ich die einzige „Vazaha“ (Fremde oder Weiße) im Team bin. Doch nach kurzer Zeit konnte ich das Vertrauen gewinnen und wurde mit offenem Herzen aufgenommen.

Die Tage beginnen mit der Ärztebesprechung. Hier werden die Patienten und insbesondere schwierige Fälle diskutiert. Danach geht es zur Visite oder in die ambulante Sprechstunde. Um selbstständig arbeiten zu können, habe ich mir in der Zwischenzeit die wichtigsten Kenntnisse des Madagassischen angeeignet. Nur noch ab und zu muss ich eine Krankenschwester zum Übersetzen bitten. Besonders die ärmeren Leute vom Land sprechen häufig kein Wort französisch und die madagassischen Dialekte sind unterschiedlich gut verständlich.

Der Ablauf der Sprechstunde und der Krankenvisite ist im Grunde ähnlich wie in Deutschland. Wir haben knapp 40 stationäre Betten. Aufgeteilt sind diese in 3 verschiedene Klassen, wobei internistische, chirurgische und pädiatrische Patienten bunt durcheinander liegen. Die wohlhabende Oberschicht leistet sich für knapp 10 Euro pro Nacht ein Einzelzimmer in der ersten Klasse mit eigener Toilette und Dusche, teils Klimaanlage. Die zweite Klasse kostet rund 3,60 Euro mit Toilette und Dusche auf dem Gang. Für die dritte Klasse kostet ein Bett lediglich 1,60 Euro. Dafür gibt es jedoch wenig Komfort, es sind mehrere Patienten in einem Zimmer, ein Plumpsklo befindet sich draußen. Durch diese Aufteilung gelingt es, auch die ärmeren Patienten zu behandeln. In Härtefällen werden Behandlungskosten sogar von der Klinik übernommen. Für alle Patienten gilt, dass die zahlreichen Familienangehörigen die Patienten umsorgen und für die Verpflegung verantwortlich sind.

Der größte Unterschied in der Behandlung ist, dass es keine fachspezifische Aufteilung der Patienten gibt und man somit eine enorme Bandbreite an Erkrankungen behandelt. Es gibt zudem viele Tropenerkrankungen. Diese  Mischung ist für mich eine Herausforderung, gleichzeitig macht sie die Arbeit aber auch sehr spannend und vielseitig. So sehe ich im ersten Zimmer beispielsweise einen operierten Patienten nach Prostataentfernung, im nächsten einen Mann mit Schlaganfall und Diabetes, dann ein Kind mit Magen-Darm-Grippe, und anschließend eine Frau mit Malaria.

Typische internistische Krankheitsbilder sieht man erstaunlicherweise genauso häufig wie daheim. Dazu gehören Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas und deren Folgeerkrankungen.

Vorstellig werden viele Patienten erst, wenn ihre Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Dies liegt hauptsächlich an den fehlenden finanziellen Mitteln. Folglich werden Schmerzen und körperliches Leiden ertragen und als schicksalhaft hingenommen. Weiterhin wird  häufig zunächst der traditionelle Mediziner befragt. So sieht man gelegentlich abstruse Fälle, wie den eines kleinen Jungen, der erst 2 Wochen nach einem Unfall mit offenem Unterarmbruch eingeliefert wird. Den herausstehenden Knochen hatte man zu Hause mit Tee und Creme behandelt und er war in der Zwischenzeit halb verfault.

 

Zur Diagnostik stehen zwar längst nicht alle Apparate und Tests zur Verfügung wie in Deutschland oder der Schweiz, aber immerhin können gute grundlegende Untersuchungen gemacht werden. Es gibt ein Ultraschallgerät, Röntgenapparat und ein Labor, welches relativ gut ausgestattet ist. So können hier unter anderem Blutbild, Leber-und Nierenwerte, Urinuntersuchungen und wichtige Infektionskrankheiten getestet werden. Auch Bluttransfusionen werden gemacht. Zu meinem Erstaunen stellte ich allerdings anfangs fest, dass die Malariadiagnostik nur unzureichend durchgeführt wurde, obwohl es so viele Malariafälle gibt und daher eine gute Diagnostik umso wichtiger ist. Ich habe diverse Anläufe gebraucht, um den Laborchef von einer Veränderung zu überzeugen. Doch im Endeffekt haben wir gemeinsam die verbesserte Technik erarbeitet.

 

Für die Behandlung steht eine große Auswahl an Medikamenten in der Klinikapotheke zur Verfügung. Nur ganz spezielle Medikamente wie für Chemotherapien gibt es nicht. Diese wären in der knapp 1000 km entfernten Hauptstadt erhältlich, aber sind für kaum jemanden erschwinglich. Für die chirurgische Versorgung gibt es einen gut ausgestatteten Operationssaal. Die Instrumente können im Autoklaven sterilisiert werden. Die Geburten werden in einem alten Saal gemacht, der dunkel und wenig einladend ist, so dass hierfür in der Zukunft eine Renovierung vorgesehen werden muss.

 

Zur Visite werde ich vom Pflegepersonal und Krankenpflegeschülern begleitet. Während der Visite erkläre ich die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, hygienische Aspekte und leite pflegerische Tätigkeiten an. Auch gezielte Fortbildungen für das Pflegepersonal biete ich an. Der Grossteil des Pflegepersonals ist hoch motiviert, so dass Besprochenes gut umgesetzt wird. Zudem wird bei der Arbeit viel gelacht und die Zusammenarbeit macht Freude. Eine wichtige Verbesserung, die umgesetzt werden konnte, ist die Isolation der Tuberkulose-Patienten, welche bisher nicht gemacht wurde. Die speziell dafür vorgesehenen Schutzmasken haben wir kistenweise im Lager gefunden. Jetzt werden diese auch gewissenhaft vom Personal getragen, wenn ein Tuberkulose-Patient isoliert ist.

In den kommenden Monaten stehen einige Projekte an. Zum einen beginnt bald die Renovierung der 3. Klasse mit Neubau der Sanitäranlagen. Hierzu werden die Patienten vorübergehend in ein älteres Gebäude umgesiedelt. Weiterhin habe ich Fortbildungen im Bereich Notfallmedizin und Reanimation geplant, welche mit praktischen Übungen ergänzt werden und alle paar Monate wiederholt werden sollen. Einen Notfallkoffer habe ich bereits zusammengestellt und neu eingeführt. Für den Bereich der Lehre ist eine Bibliothek für das medizinische Personal geplant. Bücher und Lehrmaterial müssen aber nach und nach vor allem aus Europa eingeführt werden. Als Highlight bemühe ich mich zudem um die Anschaffung eines Laptops mit Internetzugang, welcher für Recherchen zur Verfügung stehen soll. Bisher haben weder die Ärzte noch Pflegepersonal Zugang zu Internet und das Gelernte begründet sich auf die Dinge, die im Studium gelernt wurden. Dieses liegt aber oft bereits Jahre zurück!

Ich freue mich auf die anstehenden Projekte und Pläne für die Klinik. Es bleibt eine stetige Herausforderung, diese möglichst zu aller Zufriedenheit umzusetzen.

Juli 2013
 Anna Klöpfer

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